Shillelagh Swingers

Squaredance-Programme erklärt: Mainstream, Plus und mehr

· Shillelagh Swingers SDC Erlangen

Wer das erste Mal in eine Square-Dance-Nacht schnuppert, erlebt oft eine angenehme Überraschung: Alle tanzen, niemand muss vorher üben, und der sogenannte Caller leitet jede Figur live an. Doch sobald man tiefer in die Welt des Squaredance eintaucht, begegnen einem Kürzel wie MS, PL oder A1 – und schnell fragt man sich, was dahintersteckt. Die Antwort ist ein durchdachtes, weltweites System aus Tanzprogrammen, das Anfängern einen klaren Einstieg bietet und erfahrenen Tänzerinnen und Tänzern immer neue Herausforderungen.

Was sind Squaredance-Programme?

Squaredance wird weltweit nach einheitlichen Programmen gelehrt und getanzt. Das bedeutet: Ein Tänzer aus Erlangen kann problemlos bei einem Club in Tokio oder San Francisco mittanzen – vorausgesetzt, beide tanzen auf demselben Programmniveau. Möglich macht das die Organisation CALLERLAB, die alle offiziellen Tanzfiguren definiert und in Programme einteilt.

Jedes Programm baut auf dem vorherigen auf. Man kann kein Plus tanzen, ohne Mainstream zu beherrschen – und Advanced setzt Plus voraus. Diese Struktur macht das System lernbar, und gleichzeitig bleibt auf jeder Stufe genug Tiefe, um jahrelang Freude daran zu haben.

Wer sich einen ersten Überblick über die Geschichte und Grundlagen des Tanzes verschaffen möchte, findet auf der deutschen Wikipedia-Seite zum Squaredance einen guten Einstieg.

Das Mainstream-Programm (MS)

Mainstream ist die Grundstufe des modernen Squaredance und der Startpunkt für jeden Neueinsteiger. Ein vollständiger Mainstream-Kurs dauert in der Regel ein Jahr und wird wöchentlich in sogenannten Workshop-Abenden abgehalten. Am Ende kennt man rund 70 Tanzfiguren – von einfachen Bewegungen wie Circle Left bis zu komplexeren Abläufen wie Spin the Top oder Load the Boat.

Das Squaredance Mainstream-Programm ist bewusst so gestaltet, dass man sich nicht alles auf einmal merken muss. Der Caller ruft die Figuren in immer neuen Kombinationen, und durch Wiederholung werden sie zur Gewohnheit. Viele Tänzer tanzen jahrelang ausschließlich auf Mainstream-Niveau – und vermissen nichts.

Was lernt man im Mainstream-Kurs?

  • Grundlegende Bewegungen und Positionen im Quadrat (Square)
  • Einfache und mittelschwere Figuren wie Do Sa Do, Swing Thru, Flutterwheel und viele mehr
  • Das Hören und Umsetzen von Calls unter Zeitdruck
  • Das soziale Miteinander im Quadrat: Timing, Rücksicht, Hilfestellung

Der Einstieg ist niedrigschwellig – Vorkenntnisse im Tanzen sind nicht notwendig. Wichtig sind Freude an Bewegung und die Bereitschaft, auch mal einen Fehler zu machen.

Das Plus-Programm (PL)

Wer Mainstream sicher beherrscht und Lust auf mehr hat, steigt ins Squaredance Plus Programm auf. Plus umfasst rund 30 zusätzliche Figuren, die neue Bewegungsmuster und mehr räumliches Denken erfordern. Calls wie Relay the Deucey, Peel the Top oder Linear Cycle sind auf Mainstream-Abenden nicht zu hören – im Plus-Bereich gehören sie zum Alltag.

Die Shillelagh Swingers aus Erlangen tanzen sowohl auf Mainstream- als auch auf Plus-Niveau. Das ist typisch für aktive Clubs: Es gibt reguläre Tanzabende für beide Programme, und viele Tänzerinnen und Tänzer besuchen beide Abende. So bleibt Mainstream frisch, und Plus fordert weiter heraus.

Wann ist man bereit für Plus?

Ein häufiger Fehler ist der zu frühe Wechsel. Wer gerade erst den Mainstream-Kurs abgeschlossen hat, sollte zunächst ein halbes bis ein ganzes Jahr auf Mainstream-Veranstaltungen tanzen, bevor er einen Plus-Kurs beginnt. Erst wenn die Mainstream-Figuren sitzen, macht Plus wirklich Spaß – weil man nicht mehr über Bekanntes nachdenken muss und sich ganz auf das Neue konzentrieren kann.

Advanced und Challenge – für die Leidenschaftlichen

Jenseits von Plus gibt es zwei weitere offizielle Programme, die jedoch in Deutschland deutlich seltener angeboten werden.

Advanced (A1 und A2)

Das Advanced-Programm ist in zwei Stufen unterteilt, A1 und A2. Hier werden die Quadrate kleiner, die Figuren komplexer, und das Timing ist entscheidend. Advanced-Tänzer sind oft bei internationalen Conventions anzutreffen, weil das Angebot auf lokaler Ebene begrenzt ist.

Challenge (C1 bis C4)

Challenge ist die Königsklasse des Squaredance. In vier Stufen (C1, C2, C3 und C4) werden hunderte von Figuren erlernt, die ein außergewöhnliches Reaktionsvermögen und jahrelange Erfahrung erfordern. Challenge-Abende sind eine eigene Welt – ruhig, konzentriert, intensiv. Wer dort ankommt, hat meist ein Jahrzehnt oder mehr Squaredance hinter sich.

Das richtige Programm finden

Die ehrliche Antwort lautet: Fang mit Mainstream an und lass dir Zeit. Kein Programm ist besser als das andere – es geht darum, was Freude macht und welche Gemeinschaft man findet. Wer auf Mainstream-Abenden glücklich ist, muss nicht in Plus wechseln. Und wer den Ehrgeiz hat, weiter zu lernen, findet in Plus und darüber hinaus eine Welt voller neuer Herausforderungen.

Das Schöne am Squaredance ist: Egal auf welchem Niveau man tanzt, die Grundidee bleibt gleich. Acht Tänzerinnen und Tänzer in einem Quadrat, ein Caller am Mikrofon, Musik – und los geht's.