Round Dance und Squaredance: Was ist der Unterschied?
Wer zum ersten Mal eine Square-Dance-Veranstaltung besucht, erlebt oft eine Überraschung: Zwischen den lebhaften Square-Dance-Tips legt die Musik plötzlich einen anderen Gang ein, die Paare stellen sich anders auf – und es wird Round Dance getanzt. Für Außenstehende wirkt das wie eine nahtlose Fortsetzung, dabei handelt es sich um zwei eigenständige Tanzstile mit ganz unterschiedlicher Geschichte, Struktur und Technik.
Squaredance: Der Caller regiert das Quadrat
Beim Squaredance stehen acht Tänzerinnen und Tänzer – vier Paare – in einem Quadrat. Ein Caller ruft die Figuren an, die Gruppen führen sie aus. Das Besondere: Der Caller improvisiert. Er kombiniert die Figuren live und spontan zur Musik, kein Tanz gleicht dem anderen. Genau das macht Squaredance so lebendig und sozial – man tanzt immer mit wechselnden Partnern und Gruppen, ein echter Gemeinschaftstanz.
Die Figuren sind international standardisiert. Ob in Erlangen, Edinburgh oder Osaka – wer die Mainstream- und Plus-Levels beherrscht, kann überall mittanzen. Dieses weltweite „gemeinsame Vokabular" ist eines der großen Stärken des Squaredance.
Round Dance: Choreografie trifft Paartanz
Round Dance ist auf den ersten Blick völlig anders. Hier tanzen Paare im Kreis um das Parkett herum – daher der Name – und folgen einer fest einstudierten Choreografie. Statt eines Callers gibt es einen Cuer, der die Figuren ankündigt, aber keine Improvisation betreibt: Die Reihenfolge der Schritte ist für jedes Lied exakt festgelegt.
Technisch lehnt sich Round Dance stark an den Gesellschaftstanz an. Walzer, Foxtrot, Cha-Cha, Rumba, Tango – alle klassischen Tanzstile finden sich als Round-Dance-Choreografien wieder. Das Paar tanzt dabei in engem Kontakt und mit klarer Führung, ähnlich wie beim Turniertanz, aber in einer entspannteren, geselligen Atmosphäre.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Squaredance | Round Dance | |
|---|---|---|
| Formation | 4 Paare im Quadrat | Paare im Kreis |
| Ansager | Caller (improvisiert) | Cuer (folgt Choreografie) |
| Tanz | Wechselnde Figuren, spontan | Fest einstudierte Choreografie |
| Partnerwechsel | Ja, regelmäßig | Nein, festes Paar |
| Tanzstile | Squaredance-spezifisch | Walzer, Foxtrot, Cha-Cha usw. |
| Schwierigkeitsgrade | Mainstream, Plus, A, C | Phase I bis VI |
Gemeinsame Wurzeln, gemeinsame Szene
Trotz ihrer Unterschiede sind beide Tanzformen eng miteinander verwachsen. Historisch entstanden Round Dance und Squaredance aus der gleichen amerikanischen Volkstanztradition – beide wurden in der Nachkriegszeit durch amerikanische Soldaten nach Deutschland gebracht und haben sich seitdem eine treue Fangemeinde aufgebaut.
Auf größeren Veranstaltungen, den sogenannten Specials und Festivals, werden Square- und Round-Dance-Tips oft im Wechsel angeboten. Viele Clubs pflegen beide Stile. Wer Squaredance tanzt, begegnet dem Round Dance fast zwangsläufig – und umgekehrt. Einen guten Überblick über die Geschichte und Verbreitung beider Tanzstile in Deutschland bietet der Artikel zu Square Dance auf der deutschsprachigen Wikipedia, der auch auf die enge Verbindung beider Stile eingeht.
Warum viele Tänzer beide Stile kombinieren
Die Kombination macht aus einem einfachen Grund Sinn: Die Stärken beider Stile ergänzen sich perfekt.
Squaredance trainiert Reaktionsvermögen, Raumgefühl und das soziale Miteinander in der Gruppe. Man lernt, blitzschnell auf Calls zu reagieren und sich mit acht Menschen zu koordinieren – das ist fast meditativ.
Round Dance hingegen schult die Paararbeit, den Körperkontakt und die Musikalität. Wer Round Dance tanzt, entwickelt ein viel feineres Gefühl für Timing, Führung und Rhythmus – Fähigkeiten, die sich direkt auf den Squaredance übertragen.
Viele Paare berichten, dass ihr Squaredance merklich besser wurde, nachdem sie mit Round Dance begonnen hatten. Die Körperspannung stimmt plötzlich, die Bewegungen werden fließender.
Einstieg: Was ist leichter?
Für absolute Anfänger ist Squaredance meist der bessere Einstieg. Ein seriöser Club bietet Beginner-Kurse an, in denen die Grundfiguren Schritt für Schritt eingeführt werden. Die soziale Dynamik – man tanzt sofort mit anderen – macht den Einstieg leicht und motivierend.
Round Dance auf Phase I und II ist technisch nicht schwerer, erfordert aber mehr Disziplin beim Einstudieren der Choreografien. Wer bereits Gesellschaftstanzerfahrung mitbringt, wird sich hier schnell heimisch fühlen.
Das Schöne: Man muss sich gar nicht entscheiden. Die Square-Dance-Szene in Deutschland – und besonders in Franken – lebt genau von dieser Vielfalt. Beide Tanzstile unter einem Dach, bei einem gemeinsamen Abend, mit denselben freundlichen Menschen.